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Aktuell

▼ Die RCP Szenarien

Im Mai 2026 ist die Meldung durch die Medien gegangen, das schlimmste Szenario des Klimawandels sei verworfen worden. Manche haben das als "Klimakatastrophe abgesagt" interpretiert. Was steckt dahinter?

Ein Szenario beschreibt, abhängig von verschiedenen Parametern, wie sich etwas in der Zukunft entwickelt, für die Klimaerwärmung sind die THG Konzentration und die Temperature die entscheidenen Größen. Die Erde erwärmt sich weil die Energiebilanz, d.h. der Strahlungshaushalt nicht mehr im Gleichgewicht ist. Es gelangt durch die Sonnenstrahlung mehr Energie auf die Erde, als sie auch wieder abstrahlt, man spricht von Strahlungsantrieb. Ein wesentlicher Grund dafür ist die steigende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Gemessen wird der Strahlungsantrieb in W/m². Ist er Null, so bleibt die Temperatur auf der Erde konstant. Im Jahre 2015 hat man mit dem 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates den Begriff des repräsentativen Konzentrationspfades (RCP) eingeführt.

Man hat also Szenarien für unterschiedliche Bemühungen um eine Reduktion der THG betrachtet und bis zum Jahre 2100 extrapoliert. Der erwartete Strahlungsantriebes im Jahre 2100 ist die Nummer des Szenarios. Die Szenarien sind:

  • RCP 2.6 - Ambitionierter Klimaschutz, THG Konzentration steigt bis ca. 450 ppm im Jahre 2050 und sinkt dann
  • RCP 4.5 - Stabilisierung der THG KOnzentration im Jahre 2100 bei ca. 530 ppm
  • RCP 6.0 - Emissionen steigen weiter und erhöhen die THG KOnzentration auf 670 ppm im Jahre 2100
  • RCP 8.5 - weiter wie bisher (früher), dann würden mehr als 900 ppm im Jahre 2100 erreicht

Bild:

Bild: Wikipedia: Szenarien atmosphärischer CO2-Äquivalent­konzentra­tionen aller Treibhausgase gemäß den vier RCPs laut Fünftem IPCC-Sachstandsbericht

Zwischen 2021 und 2023 wurde der 6. Sachstandsbericht zum Klima veröffentlicht. In dem Zusammenhang wurde ein neuer Satz Klimaszenarien entwickelt, die SSP-Szenarien (Shared Socioeconomic Pathways, dt.: gemeinsame sozioökonomische Entwicklungspfade), welcher gegenüber den bisher verwendeten RCP-Szenarien in vielerlei Hinsicht verbessert wurde. Mehr dazu zum Beispiel auf der Webseite des Deutschen Klimarechenzentrums.

Babette Hebenstreit (sie ist Physikerin, unterrichtet an der FH Vorarlberg zum Thema nachhaltige Energie und ist die neue Obfrau des Vereins KlimaVOR) schreibt dazu an die Mitwirkenden der KLIMAKAMPAGNE VORARLBERG unter dem Titel Weltklimarat streicht Szenario aber nicht Physik

Der Weltklimarat bildet mit Szenarien ab, mit welchen Auswirkungen wir bei welchen Emissionen zu rechnen haben. Das „schlimmste“ Szenario (RCP8.5) geht davon aus, dass fossile Energien massiv ausgebaut werden. Das ist aufgrund der weltweiten Klimaschutz-Anstrengungen und der fallenden Preise für Wind und PV weniger plausibel geworden. Können wir uns also zurücklehnen und hoffen, das Problem löst sich bald von selbst? Auf keinen Fall. Solange wir Treibhausgase ausstoßen, steigt die Konzentration in der Atmosphäre weiter und die Erde erwärmt sich. Derzeit bewegen wir uns in Richtung einer Stabilisierung der weltweiten jährlichen Emissionen. Statt exponentiell wächst dann der CO2-Gehalt der Atmosphäre nur mehr linear. Die in RCP8.5 prognostizierten 4-5°C Erwärmung bleiben möglich - nur später. Vom Ziel Null- bzw. Negativemissionen sind wir noch sehr weit entfernt, das Erreichen des 1,5°C-Ziels ist extrem schwierig geworden. Die weltweiten (und Vorarlberger) Anstrengungen müssen vervielfacht werden, damit wir unter 2°C bleiben. Daher ist das Fallenlassen des Szenarios ein Hoffnungsschimmer, aber kein Grund zum Feiern.

Die Klimaleugner und Rechtspopulisten basteln daraus Fakenews der Sonderklasse. Es gibt dazu einige Klarstellungen, eine davon ist die von Prof. Dr. Volker Quaschning auf Youtube

Auch die Scientists for Future sind dabei, in einem Papier die Dinge klar zu stellen.

► Spritpreise

► Stromverbrauch und Aufbringung

Woher kommt heute der Strom, den wir in Österreich verbrauchen? Die Antwort findet man hier.

Ein Beispieldiagramm dieses Dienstes. Bei den Importen und Exporten gibt die Farbe die CO2-Intensität der Produktion an.

Bild

Fakten und Argumente

Eine Sammlung von Argumenten (neuere zuerst) für die dringend notwendige Mobilitäts- und Energiewende. Aber auch die durch unsere Lebensweise entstandene Klimakrise und die Gerechtigkeit ist ein Thema. Eigentlich wäre klar, was zu tun ist, was richtig wäre. An vielen Orten machen wir auch einiges richtig. Aber es ist noch immer viel zu wenig. Zuletzt haben auch in Österreich die THG Emissionen wieder zugenommen.

► Vorweg

▼ Zur Geschichte der Eisenbahn in Vorarlberg und der Verkehrs-Planungs-Region Rheintal

Kürzlich war Karlheinz Zeiner Teilnehmer der Veranstaltung Gemeindeforum Mobilität. Da gab es auch Informationen darüber, was es auf der Bahn an grenzüberschreitenden Verbesserungen geben wird. Das sind Verbesserungen auf der Achse über St. Margarethen, ab Dezember fahren REX Züge öfters am Tag bis Friedrichshafen. Die für die ca. 1800 Pendler aus dem Walgau nach Liechtenstein / Schweiz wichtige Strecke nach Buchs würde keinen Mehrverkehr mehr zulassen. Freuen wir uns über die Verbesserungen. Aber sehen wir auch, was da in den letzten 154 Jahren passiert ist.

Geschichte der Eisenbahn in Vorarlberg

  • 1872: Die damalige Vorarlbergbahn von Lochau bis Bludenz wurde am 1.7.1872 dem öffentlichen Verkehr übergeben.
  • 1872: Die Bahnstrecke von Feldkirch nach Buchs wurde am 14. Oktober 1872 eröffnet, sie ist bis heute eingleisig. Am gleichen Tag wurde auch die Strecke von Lochau nach Lindau eröffnet.
  • 1872: Wenig später, am 23. November 1872 schließlich wurde der Abschnitt Bregenz – St. Margrethen eröffnet.
  • 1884: Die eingleisige Bahnstrecke über den Arlberg wurde am 21. September 1884 eröffnet. Der Arlbergtunnel wurde weitsichtig für einen zweigleisigen Betrieb ausgebrochen.
  • 1902: Die Bregenzerwald-Bahn nimmt ihren Betrieb zwischen Bregenz und Bezau auf. Die Schmalspurbahn wurde 1985 eingestellt.
  • 1905: Die Montafonerbahn fährt seit 1905 zwischen Bludenz und Schruns.
  • 1959: Beginn des zweigleisigen Ausbaus der Strecke Bregenz - Bludenz
  • 1995: Der zweigleisigen Ausbaus der Strecke Bregenz - Bludenz ist fertig.

Das Eisenbahnnetz in der Schweiz ist großartig, Österreich hat in den letzten Jahren die Hauptstrecken ausgebaut und den Großteil der Bahnhöfe saniert oder neu gebaut. Die Versäumnisse in Deutschland sind bekannt. Was Vorarlberg in Drei-Länder-Eck in einer wichtigen Industrieregion um den Bodensee betrifft haben drei Länder in ihrer Zusammenarbeit und Verkehrspolitik versagt. Wir benutzen auf der Bahn für den grenzüberschreitenden Verkehr noch immer die eingleisigen Trassen aus dem Jahr 1872. Dabei lagen Pläne immer wieder auf dem Tisch.

Studie "Nachhaltige Entwicklung des Verkehrssystems im oberen Rheintal"

Bei unseren Recherchen stoßen wir z.B. auf folgende Schlagzeile aus dem Jahr 2000: Österreich steigt aus Studie "Nachhaltige Entwicklung des Verkehrssystems im oberen Rheintal" aus

Quelle : https://www.cipra.org/de/news/1308 (zuletzt abgerufen am 20.11.2025)

Aus dem Kündigungsschreiben: Es seien "keine wesentlichen Zusatzerkenntnisse für konkrete politische Entscheidungen" zu erwarten. Die Fragestellung der Studie sei "eindimensional auf Umweltgesichtspunkte" konzentriert.

Man hat sich also um die Jahrtausendwende intensiv mit umweltverträglichen Verkehrslösungen für das Rheintal beschäftigt. Ein Projekt war die Alpenrheinbahn, eine Anbindung der Schweiz / Liechtenstein an das europäische Hochleistungsbahnnetz. Teil dieser Planungen war eine Bahntrasse als Südumfahrung von Feldkirch. Das könnte, hätte man damals mit etwas Mut die richtigen Entscheidungen getroffen, heute alles fertig sein. Jetzt dauert eine Bahnfahrt für die ca. 250 km von Feldkirch nach Stuttgart noch immer zwischen 3:15 und 4 Stunden mit 2-3 Mal umsteigen. Zürich erreicht man immerhin mit der Bahn im besten Fall nach 1:36 Stunden.

PS: Eine nochmalige Prüfung der Südeinfahrt hatte die Schwarz/Grüne Regierung in Vorarlberg im Regierungsprogramm der letzten Periode, hat man nicht gemacht.

Quellen dazu:

Studie nachhaltiger Verkehr im oberen Rheintal  (Synthesbericht 2002)

BODAN-Rail (2001, eine von mehreren Quellen)

Dazu eine Zusammenfassung einer Studie von Paul Stopper: Schienengebundener öffentlicher Verkehr im Oberen Rheintal

Zusammenarbeit

Es gab und gibt aber auch eine Menge Beispiele von Zusammenarbeit. Hier einige Verweise auf Organisationen und Projekte in der Region Rheintal. Und derzeit tut sich in Sachen Langsamverkehr da tatsächlich etwas.

  • Vision Rheintal - Ein Projekt der Landesregierung bis ins Jahr 2017
  • Regionale Entwicklung und Zusammenarbeit - Das Nachfolgeprojekt
  • CIPRA - Internationale Alpenschutzkomission, eine NGO, gegründet 1952
  • Agglomeration Rheintal - Verein, Mitglieder sind der Kanton St.Gallen, das Land Vorarlberg sowie 12 St.Galler und 11 Vorarlberger Gemeinden.
  • ARE - Schweizer Bundesamt für Raumentwicklung, nach Dokumenten zum Rheintal kann man über diesen Link suchen: https://www.are.admin.ch/are/de/home/suche.html#Rheintal
  • Kanton St. Gallen - Hier findet man unter Bauen -> Tiefbau -> Veröffentlichungen - Strategiepapiere eine Netzstrategie Raum DHAMK (DipoldsauHohenemsAltachMäderKriessern)

    Dabei geht es um eine Verbindungen der beiden Autobahnen A13 und A14 in der Höhe von Dipoldsau. Ein weiteres Straßenbauprojekt, über das man in Vorarlberg von offizieller Seite derzeit nichts hört.
    Eine Abbildung aus dem Strategiepaper DHAMK:
    Bild

Und heute:

Das Land und der Bund muss sparen, aber beide sparen am falschen Ort, lassen das Geld am falschen Ort und Vermögen unangetastet.

An den dummen Straßenbauprojekten wird festgehalten, Investitionen in die Bahn, in die Infrastruktur für den sanften (gesundheitsfördernden) Verkehr werden zurückgefahren oder verschoben, das ÖPNV Angebot bei den Buslinien wird gekürzt. Die Preise für den ÖPNV erhöht, eine populistische Spritpreisbremse eingeführt, Tempolimits sind nach wie vor kein Thema, KEM und KLAR Programme fürchten um ihre Finanzierung, das Geld für die Klimaforschung wird drastisch gekürzt, die klimaschädlichen Subventionen werden nur homöopathisch angetastet.

► Klimastatusbericht 2025 und OECD Umweltprüfbericht

Klimastatusbericht

Der jährlich erscheinende Klimastatusbericht Österreich wird im Auftrag des Klima- und Energiefonds sowie aller neun Bundesländer durch das Climate Change Centre Austria (CCCA) in Zusammenarbeit mit der GeoSphere Austria (GSA) und der Universität für Bodenkultur (BOKU) und unter Mitwirkung zahlreicher weiterer Forschungseinrichtungen erstellt.

Exemplarisch einige Resultate für Vorarlberg:

Bilder: © Klimastatusbericht Österreich 2025, Hrsg. CCCA 2026, Quellen: CCCA Webseite oder gleich zum PDF-Dokument Klimarückblick_Vorarlberg_2025.pdf"

Zusammenfassung: Mit einem Jahresmittel der Lufttemperatur von 6,8 °C war 2025 in Vorarlberg das viertwärmste Jahr in der Messgeschichte des Bundeslandes. Mehr als die Hälfte aller Monate waren in Vorarlberg zumindest ungewöhnlich warm. In vier davon (April, Juni, August und Dezember) erreichte die Temperaturabweichung außergewöhnlich hohe Werte. In Vorarlberg fiel mit rund 1400 mm ungewöhnlich wenig Niederschlag. In drei Monaten (Feb., Apr. und Dez.) fiel weniger als ein Viertel der hier sonst üblichen Niederschlagsmenge. Mit einem Plus von 11 % war es im Jahr 2025 in Vorarlberg ungewöhnlich sonnig...

Bild:

Abbildung: Das kombinierte Lufttemperatur-Niederschlag-Diagramm platziert die einzelnen Jahre von 1961 bis 2025 (helle bis dunkle Punkte) ihrer Klimacharakteristik entsprechend zwischen relativ kalt (unten) und warm (oben) sowie relativ trocken (links) und feucht (rechts). Angegeben sind Flächenmittelwerte über Vorarlberg als Absolutwerte und als Abweichungen vom Mittelwert des 1961–1990. Das Berichtsjahr ist rot hervorgehoben. Der Pfeil verfolgt die Verlagerung der laufenden 30-jährigen Mittelwerte von 1961–1990 bis 1996–2025.

Den höchsten Jahresmittelwert verzeichnete laut dem Bericht Feldkirch mit 11,7 °C. Dieser Wert beruht auf dem neuen SPARTACUS Datensatz, der die Mittelwerte nach einer besseren Methode als bei den HISTALP Daten berechnet. Die Messdaten von HISTALP geben den Jahresmittelwert der Station Feldkirch mit 11,0° an. Mit diesem Wert ergibt sich für die hier schon öfters veröffentlichte langjährige Entwicklung für die Temperatur in Feldkirch:

Bild: Jahrestemperatur in Feldkirch

Graphik: Zeiner, die rote Kurve ist eine Polynom-Trendline zur Entwicklung der Temperaturen. Die "WarmingStrips"-Darstellung der Temperaturen verwenden wir in unserem Logo.

OECD Prüfbericht

Das sind Resulate des Berichts, wie sie DerStandard in Überschriften zusammengefasst hat:

  • Bodenverbrauch nicht im Griff
  • Emissionen viel zu hoch
  • Subventionen "ineffizient"

Aber es gibt auch Lob: für Kreislaufwirtschaft und Klimaticket

Quellen: Artikel im Standard und OECD Prüfbericht

► Stadttunnel: UVP Verfahren für den "Optimierter Bauablauf für Vollinbetriebnahme 2030"

Der Bauablauf für den Bau des Stadttunnel soll geändert (optimiert) werden. Die Änderungen sind:

  • Änderung der Vortriebsrichtung des Haupttunnels Tosters
  • Änderung der Vortriebsrichtung des Erkundungsstollen / Fluchtstollen Tosters
  • Änderung der Massenverfuhr des Haupttunnels Tosters (E-LKW statt Bahnverfuhr)
  • Änderung der Massenverfuhr des Fluchtstollens Tosters (E-LKW statt Diesel-LKW)
  • Adaptierung der Betriebsstation Tosters
  • Entfall einer nicht mehr erforderlichen temporären Gewässerschutzanlage inkl. Sammelbecken
  • Verzicht auf dingliche Rechte / Reduktion dinglicher Rechte
  • Änderung der Fundierung: Errichtung einer Bohrpfahlwand statt einer Ankerwand

Dazu braucht es ein weiteres UVP Verfahren. Derweil darf nach dem altem Konzept weiter gebaut werden. Auf der Webseite zu diesem Bauprojekt findet man den bisherigen UVP Bescheid aus dem Jahre 2015, weitere Dokumente und die Einreichunterlagen zu den Veränderungen: Downloads

Wir haben die Presseaussendung zur Feier des Tunnelanstichs mit deren Versprechungen zur Entlastung der Menschen einem Faktencheck unterworfen und dazu die Dokumente zum neuerlichen UVP Verfahren studiert.

Verkehrszahlen

Im "Technischen Bericht Verkehr" findet man eine überarbeiteten Verkehrsprognose für das Jahr 2030. Da soll dann der Vollausbau mit allen Tunnelästen in Betrieb gehen.

Ein paar Zahlen aus dem Bericht:

Bild

Tabelle: Prognose Verkehrszahlen im Jahre 2030 ohne und mit dem Stadttunnel Bärenkreuzung und Umgebung

Im Verkehrsmodell rechnen die Verkehrsingenieure (VI) nur mit einem geringen Wachstum gegenüber dem Referenzjahr 2010. Das ist nachvollziehbar, wenn man sich als Beispiel die Verkehrszahlen auf der A14 über diesen Zeitraum anschaut:

Bild

Verkehrsprognosen sind mittlerweile also schwierig. Die VI rechnen im Nullplanfall (d.h. es wird kein Tunnel gebaut) auf der A14 im Ambergtunnel mit 35.500 Fahrzeugen pro Tag im Jahr 2030 (siehe die Seite 20 ihres Berichtes). Man sieht im Diagramm auch, wo wir 2030 wären, wenn der Trend bis 2019 weiter angehalten hätte. Gestoppt hat diesen Trend nicht die Mobilitätswende sondern ein Virus und zuletzt das eingebrochene Wirtschaftswachstum.

Ihre Berechnungen zeigen aber auch, wie Straßenbauten den Verkehr insgesamt erhöhen. Baut man keinen Tunnel, dann passieren im Jahre 2030 die Bärenkreuzung täglich 38.360 Fahrzeuge. Mit dem Tunnel sind es dann 29.785 Fz, eine Reduktion von 22%. Zusätzlich passieren dann aber täglich 21.625 Fz den Kreisel im Tunnel. Um abzuschätzen, wie sich der Verkehrsdruck auf das Stadtgebiet insgesamt ändert, kann man die Zahlen aus dem Verkehrsmodell an den Zufahrtsstraßen betrachten.

Bild

Zu- Abfahrten FeldkirchNullplanVollausbau
L53 Gisingen Illstraße8.6308.880
Gisingen Hämmerlestraße6.3506.450
L190 Richtung Rankweil21.65020.550
L190 Richtung Frastanz20.87023.420
L191a Tisis Grenze10.44011.790
L61 Hub Grenze1.600 1.700
Summe69.54072.790

Das wäre eine Zunahme des Verkehrs um 5%.

Schalltechnischer Bericht

In den Dokumenten zur Schalltechnik findet man Berechnungen zur Lärmbelastung. Für 276 Orte in Feldkirch hat man den durch den Straßenverkehr verursachten Schallpegel nach einem reichlich komplizierten Verfahren berechnet. Einmal für den Nullplanfall, d.h. ohne Stadttunnel und einmal für den Betriebsfall, d.h. nach der Inbetriebnahme des Tunnels im Vollausbau. Der Straßenverkehr ist die Hauptursache für Lärmbelastung. Für stark befahrende Straßen gibt es berechnete Lärmkarten, die man z.B. im VOGIS oder auf der Webseite laerminfo.at abrufen kann.

Bild: Lärmkarte Feldkirch

Auf laerminfo.at findet man jede Menge an Informationen zum Thema Lärm. Sogar einen Lärmrechner, mit dem man Straßenverkehrslärm in Abhängigket von typischen Parametern berechnen kann. Die WHO definiert für den Tag und die Nacht Pegel, ab denen mit gesunheitsschädlichen Folgen gerechnet werden muss. Diese Grenzwerte sind für die Nacht 45 dB und für den Tag 55 dB. Für Österreich sind Werte definiert, ab denen ein Aktionsplan greifen soll, um die Belastung zu reduzieren. Für den Straßenverkehr sind das Lden = 60 dB und LNight = 50 dB. Im UVP Dokument findet man die Werte LDay, LEvening und LNight für 276 Orte an Straßen in Feldkirch, die für das Projekt relevant sind.
Day (d) ist der Zeitraum 6:00 bis 19:00
Evening (e) ist der Zeitraum 19:00 bis 22:00
Night (n) ist der Zeitraum 22:00 bis 6:00
Lden ist ein aus den Werten Ld, Le und Ln berechneter gewichteter Mittelwert.
Wir haben diesen Wert aus den Zahlenwerten in den UVP-Dokumenten berechnet und in zwei Graphiken dargestellt.

Die erste Graphik zeigt die Verteilung der 276 für verschiedenen Orte berechneten Pegel für die Situation ohne und mit Tunnel.

Bild: Verteilung der Pegel

Praktisch alle Wert liegen weit über den WHO Grenzwerten, aber auch über den Werten 60 und 50 dB für Tag und Nacht laut dem Aktionsplan (auch die Bezeichnung Dienstanweisung findet man dafür). Die höchsten Werte gelten für 5 Orte an der Autobahn. Aber auch an den Landesstraßen gibt es Werte bis 88,1 dB.

Die zweite Graphik zeigt die Veränderungen durch die Inbetriebnahme des Tunnels. Da sind wir weit entfernt von der versprochenen Zunahme der Lebensqualität. Änderungen von ±1 dB werden kaum wahrgenommen, ±3 dB entsprechen zwar einer Verdoppelung bzw. Halbierung der Intensität, aber erst ±10 dB werden als doppelt so laut oder leise registriert.

Bild: Änderungen im Pegel

Für 57% der Berechnungspunkte liegt die Änderunge im Bereich von ± 0,25 dB (das merkt man nicht), an 21% der Orte wird es um weniger als 2,5 dB leiser, für 17% wir es lauter. Die wirklich "spürbare" Entlastung von einem Fünftel der Feldkircher Bevölkerung können wir aus diesen Zahlen nicht herauslesen.

Hier noch eine Audio-MP3-Datei mit rosa Rauschen. Nach jeweils 5 Sekunden wird der Pegel um 1 dB erhöht. Am Ende ist er also um 3 dB höher als zu Beginn:

Das ist dann die zusammenfassende Beurteilung des Schalltechnischen Berichtes:

ZUSAMMENFASSENDE BEURTEILUNG

Für die Betriebsphase kann auf Basis der aktualisierten verkehrlichen Grundlagen festgestellt werden, dass, wie auch im genehmigten Vorhaben, das Limit von 50 dB für den Nachtzeitraum bei allen relevanten Straßenzügen bereits im Bestandsnetz überschritten wird. Als relevante Straßenzüge gelten jene, die in den betrachteten Immissionspunkten im Planfall Vollausbau 2030 einen Lnight von> 50,0 dB hervorrufen und gegenüber dem Nullplanfall 2030 eine vorhabensbedingte Immissionserhöhung von ∆L > 1,0 dB (Irrelevanzkriterium) aufweisen.
Die zusätzliche Belastung durch Straßenlärm durch den geplanten Neubau des Stadttunnels Feldkirch wird mit der Umsetzung der vorgeschlagenen aktiven und passiven Lärmschutzmaßnahmen als zumutbar angesehen. Die Auswirkungen des Projekts sind insgesamt und unter Anbetracht der nicht unbeträchtlichen positiven Wirkung in vielen Teilbereichen des Gesamtuntersuchungsbereiches als eine deutliche Verbesserung einzustufen.

Wir nehmen zur Kenntnis, dass die offzielle Mehrheit von der Wichtigkeit und den "Segnungen" dieses Projektes überzeugt sind, aber mit den harten Fakten der Graphiken oben stimmt das nicht überein. Das nennt man Schönfärberei. Hat man nicht nach dem Bau des Ambergtunnels, des Schattenburgtunnels, des Tostner Tunnels dasselbe geglaubt?
Zusammenfassend betrachtet ist das Vorhaben Stadttunnel Feldkirch gemäß bei Einhaltung der vorgesehenen Maßnahmen, in Betriebsphase aus der fachlichen Sicht des Fachbereichs Schalltechnik als umweltverträglich zu bezeichnen. Es ergibt sich durch die Projektänderungen keine Änderung dieser Bewertung.

Gut, dass es UVP Verfahren gibt, der Aufwand ist groß, aber sie haben auch etwas von einer Show, von der man weiß, wie sie ausgeht. Ein Feigenblatt, das die Kernthemen verdeckt und nicht behandelt. Sie passen nicht in die Zeit der Klimakrise und zu dem Fußabdruck, den wir mittlerweile hinterlassen. Während dieser Text verfasst wird, warnen wieder Wissenschaftler, das Klimasystem sei an einer kritischen Schwelle zu einer drohenden Heißzeit (DerStandard). Richtigerweise wird der Artikel dem Wirtschaftsteil der Zeitung zugeordnet. Den Originalartikel findet man über diesen Link: https://www.sciencedirect.com

Im Grunde sind heute alle Beton-Großbauten nicht umweltverträglich. Die UVP-Verfahren sind aus diesem Blickwinkel fragwürdig, am Ende wird das Projekt mit ein paar sinnvollen Auflagen genehmigt.

Richtig wäre, den Menschen einfach zu sagen, dass mehr nicht mehr geht und wir den Verkehr durch Verzicht bzw. "Vermeiden - Verlagern - Verbessern" reduzieren müssen. Dabei wäre eine Halbierung das richtige und notwendige Maß. Unser derzeitiges Verkehrssystem ist teuer, unökologisch und ungesund.
Laut Pendlerstatistik pendeln täglich aus dem Walgau 1800 Personen ins Ausland, wohl fat 100% davon nach Liechtenstein/Schweiz. Das sind vermutlich 1500 Fz je Tag. Die Südeinfahrt Bahn hat man verworfen. Es gibt nur eine durchgehende Regionalzug-Bahnverbindung von Budenz nach Buchs (ab 6:46 Fahrzeit 45 min). Die wenigen Züge der S2 nach Buchs sind in Feldkirch schlecht auf die S1 abgestimmt (15 bzw. 20 Minuten Umsteigezeit). Es gibt noch immer keinen Tarifverbund für die Buslinien. Trotz einem guten ÖPNV Angebot stellt sich für wichtige Pendlerstrecken die Frage "Willst du oder musst du mit dem eigenen Auto fahren?"

D.h. hier werden mit hunderten Millionen Euro die Weichen noch immer falsch gestellt.

Vergleichen Sie diese Überlegungen gerne mit dem Marketing für das Projekt auf der Webseite zum Stadttunnel. Dort werden auch Verbesserungen beim öffentlichen Verkehr versprochen. Tatsächlich denken Gemeinden und die Verkehrsverbünde über eine Reduktion des Angebotes nach, weil die Gemeinden den Abgang nicht mehr finanzieren können. Konkret verfolgt die Stadt Feldkirch das Ziel, die Gesamtkosten im Bereich Stadtbus künftig um 10% zu senken.

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► Mobilität neu denken

► Güterverkehr und alpenquerender Verkehr

► Klimaziele und Verkehr

► Der Stadttunnel und die Fehler der Raumplanung

► Energie- und THG- Monitorbericht 2025 mit den Daten des Jahres 2023

► Emissionen des Verkehrs in Vorarlberg und der Zielwert für 2030

► Die fatalen Schwächen der Entscheidungsprozesse und der UVP-Verfahren

► Kosten des Verkehrs

► Klimagerechtigkeit

► Argumente aus der Sicht der Energieautonomie+ und der Klimaziele

► THG Emissionen beim Bau der Infrastruktur (Tunnelbau)

► Energieverbrauch und Emissionen der Verkehrsmittel

► Energiesparpotential im Verkehr

► Energieautonomie - ohne Reduktion des Verkehrs und Verbrauchs nicht vorstellbar

► Nationaler Energie und Klimaplan

► Für Klimawandel Skeptiker

Wer sind wir?

Karlheinz Zeiner ist als Physiker ein fakten- und wissenschaftsorientierter Mensch. Nach dem Besuch der HTL (Elektrotechnik) hat er an der TU Wien Technische Physik studiert und mit einem Thema aus der Röntgenphysik promoviert. Er beschäftigt sich seit Jahren mit Fragen der Mobilität, dem Energieverbrauch und dem Klimawandel. Er ist in Klaus Gemeindevertreter, ist Delegierter im Verkehrsverbund Oberes Rheintal und hat eine Ausbildung zum regionalen Fußgängerbeauftragten.

Seit er auch Enkelkinder hat, deren Lebenserwartung bei den Bedingungen der letzten Jahrzehnte bis ins Jahr 2100 reichen würde, fühlt er sich noch mehr verpflichtet, sich für eine "enkeltaugliche Zukunft" einzusetzen.

Mag. Hubert Feurstein ist Theologe, Bioenergetischer Analytiker, Wanderführer, Pilgerbegleiter und Autor des Buches "PILGERN", Ibera Verlag

Und wir vertreten mehr als 1000 Unterzeichner:innen einer Petition, die von der Politik den Stopp von weiteren Straßenbauprojekten und eine echte Wende in der Mobilität fordern.

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