Aktuell

▼ Update: Das Bildungshaus Arbogast will mehr Parkplätze: So gelingt die Mobilitätswende nicht!

Update

Ein Leser des letzten Newletters schreibt mir mit dem abschliessenden Satz:

Sehr geschätzter Herr Zeiner, vielleicht sprechen Sie selber einmal mit Herrn Mutschlechner. Es würde mich freuen, wenn Sie dann zu einer differenzierteren, sachgerechten und objektiven Einschätzung des Projektes und seiner komplexen Anforderungen kommen.

Ein solches Gespräch wird demnächst auch tatsächlich stattfinden. Und das Schreiben ist schon ein Hinweis darauf, wie wichtig ein gegenseitiges Zuhören und Bemühen um Verständis der oft widersprüchlichen Anliegen wäre. Das aber in beide Richtungen. Den Klimaaktivisten hat die Politik nie wirklich zugehört.

Würde die Gemeinde Götzis, das Vorhaben etwas transparenter kommunizieren, könnte man auch differnzierter berichten. So sind wir auf das angewiesen, was öffentlich ist. Und das war zunächst nur die Publikation der "Grünen Liste Götzis". Eine Anfrage bei der Gemeinde Götzis wurde beantwortet, hat aber keine neuen Informationen geliefert. Um auch die Sicht des Geschäftsführers hier einfliessen zu lassen, auf der Webseite des Bildunsghauses findet man diese Argumentation zu dem Vorhaben: Parken und Ökologie

Bisheriger Beitrag, ergänzt um einen Auszug aus dem regREK für die Region amKumma

Das Jugend- und Bildungshaus Arbogast der Katholischen Kirche Vorarlberg ist laut Webseite „... ein Ort der Begegnung, Bildung und Lebenskultur in der Rheintalgemeinde Götzis. Geleitet von einem christlichen Menschen und Weltbild, engagieren wir uns für Themen, die unsere Welt besser machen." Arbogast war viele Jahre Austragungsort der Tage der Utopie und ist ein Ort, an dem sich gerne Menschen einfinden, für die tatsächlich gilt, dass sie die Welt besser machen wollen.

Würde Arbogast dieses Leitmotiv ernst nehmen, dann müsste man mit den schon vorhandenen ca. 60 PKW Stellplätzen auskommen. Im Gegenteil, man würde sie bewirtschaften, man würde die Zeiten für den Beginn von Veranstaltungen dem Busfahrplan anpassen und diese Form der Anreise noch nachdrücklicher bewerben und empfehlen.

Mittlerweile gibt es mehr Details zu dem Vorhaben. Die Grüne Liste Götzis informiert auf ihrer Webseite und in ihrem aktuellen Mitteilungsblatt Brennessel über das Projekt. Man will die Stellplätze auf ca. 120 fast verdoppeln. Durch mehr Stellplätze entlang der Zufahrtsstraße und durch einen neuen Parkplatz hinter der Haltestelle in Richtung Klaus. Der alternative Vorschlag ist, beim Salzsilo mehr Stellplätze einzurichten. Die Betreiber meinen, diese Lösung sei den Besuchern nicht zumutbar, zu weit entfernt (plus 220 m) und der Weg zu gefährlich (man müsste zwei Mal die Landesstraße queren). Da rächt sich auch, das es zwar einen Gehweg, aber noch immer keinen durchgehenden Fahradweg von Arbogast nach Götzis gibt.

In unmittelbarer Nähe gibt es die Haltestelle Arbogast, die während der Hauptverkehrszeiten auch in Zukunft im Halbstundentakt bedient wird. Ab 20:35 gibt es laut aktuellem Fahrplan zum Bahnhof Götzis und zum Bahnhof Rankweil einen Stundentakt bis 23:35.

Die Gemeinde Götzis fördert mit den Zuschüssen von Bund und Land den Busverkehr laut Rechnungsabschluss 2025 mit 2,48 Millionen Euro. Damit finanziert man ein wirklich gutes Angebot, das deutlich mehr Fahrgäste transportieren könnte. Ein nachhaltiges Mobilitätsverhalten erreicht man aber nur mit dem richtigen Mix von Push- und Pull-Maßnahmen. Nur viel Geld in den ÖPNV zu investieren ist zu wenig und dann auch zu teuer. Das Resultat sind Busse, die außerhalb der Hauptverkehrszeiten mit wenigen Fahrgästen durch die Gegend fahren statt für Ziele wie Arbogast genützt zu werden. Die fehlenden Push-Maßnahmen sind der schwerwiegende Fehler in der Mobilitätspolitik des Landes und vieler Gemeinden. So erreichen wir die in vielen Papieren formulierten und beschlossenen Ziele der Verkehrspolitik, der Raumplanung und des Klimaschutzes nicht.

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Bild: Aus dem regREK für die Region amKumma, regREK amKumma 2020 (PDF), Seite 118

Das ist autozentrierte Politik von Vorgestern! Es muss Schluss sein mit dem ständigen immer noch mehr Parkraum und damit induzierten Verkehr.

Jetzt gibt es dazu auch eine Petition, die man unterzeichnen kann: Petition auf openpetition

▼ 12. August - Strommix in Österreich

Diagramm zum Strommix in den letzten Monaten. Es zeigt deutlich den durch die Trockenheit bedingten Rückgang der Stromproduktion aus Wasserkraft.

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Die CO2-Intensität der Stromproduktion (mit Berücksichtigung von Import, inländischer Erzeugung und Export) lag zuletzt bei ca. 150 g/kWh

▼ 30. Juli - Welterschöpfungstag

Diesmal hat der VCÖ mich darauf aufmerksam gemacht. Das ist der Tag, an dem die weltweiten Ressourcen aufgebraucht sind, die die Erde für das ganze Jahr bereitstellen kann. Der VCÖ schreibt: In Österreich trägt der Verkehr massiv dazu bei: Er ist einer der größten Verursacher von klimaschädlichen Treibhausgasen – und verbraucht riesige Mengen an Ressourcen. Für Österreich war dieser Tag heuer schon am 2. April.

Versteht noch jemand, was da gerade abgeht?

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    Wir erleben gerade die 3. (4. ?) Hitzewelle in diesem Jahr. Das Rheintal hatte heuer schon mehr als 30 Hitzetage
    Originalbild: DerStandard, Quellen: Geosphäre Austria, Statistik Austria
    Das sind Szenarien, die 2015 für Vorarlberg so ab den Jahren 2070 prognostiziert wurden. Und trotzdem ist das heurige Jahr keine Überraschung, das wird der Normalfall.
  • In Südeuropa wüten Waldbrände, die Zahlen dazu sind ein Horror: Hunderttausende Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen, mehr als 100.000 ha () Wald und Land sind verwüstet.
  • Ein Bauer erzählt von bevorstehenden Schlachtungen, weil das Futter ausgeht.
  • Eine Kollegin erzählt, sie ist aus ihrer Dachgeschosswohnung als Klimaflüchtling zu einer Freundin übersiedelt.
  • Klimaforscher warnen einmal mehr vor dem Kippen des Systems.
  • ...

Und was tun wir gerade?

  • Wir (d.h. zu viele) holen noch immer mit dem Auto das Brot aus der nahen Bäckerei und den Tabak aus der Trafik, fahren während der Schulzeit die Kinder in die Schule und den Kindergarten (oft weil der Weg zu gefährlich sei).
  • Wir nutzen völlig gedankenlos KI aus Bequemlichkeit und mangelder Kreativität. Dabei ist die KI die neue Schwerindustrie, siehe dazu den folgenden Artikel.
  • Österreich hat noch immer kein Klimagesetz. Will den Lobautunnel und die S18 bauen.
  • Vorarlberg baut die Tunnelspinne und freut sich auf die S18. Hat einen Entwurf für ein geändertes Naturschutzgesetz vorbereitet, das die Zerstörung der Natur einfacher (unbürokratischer) macht. Da gäbe es anderes Potential für Verwaltungsvereinfachungen und Sparmöglichkeiten.
  • Der Landeshauptmann redet nur noch vom Wirtschaftsraum, richtig wäre Lebensraum. Sogar bei der Diskussion über eine Verschiebung der Sommerferien hört er die Stimmen aus der Wirtschaft (deshalb ist er dagegen). Ist das Wirtschaftswachtum < 3%, schrillen die Alarmglocken. Wer denkt daran, dass ein jährliches Wachstum von 3% eine Verdoppelung in 23,5 Jahren bedeutet. Wie soll sich das ausgehen? Dann haben wir unseren Erschöpfungstag schon Ende Februar.
  • Der landeseigene Energieversorger baut nur Windräder, wenn es sich rechnet/rentiert (Zitat: Wallner). Für die rund 20.000 PV Anlagen in Vorarlberg muss es sich nicht rechnen. Deren Eigentümer/Investoren sponsern die Energiewende.
  • Die Katholische Kirche bekommt auch nicht genug. Sie will aus Arbogast einen florierenden Betrieb mit mehr Besuchern machen. Dafür wollen sie mehr Parkplätze. Die ÖVP Mehrheit in Götzis findet das gut, hat keine Einwände. Wir sind kein ländlicher Raum mehr. Wir sind ein urbaner Raum mit gutem öffentlichem Verkehr. Österreich hat mehr Parkplätze als Einwohner!
  • Was wütend macht: Viele glauben noch immer, wir könnten uns anpassen, wir müssten nur besser vorbereitet sein, dann geht es halt ein wenig anders weiter. Ja, wir könnten besser vorbereitet sein, aber der "Alles ist machbar" - Glaube ist Unsinn.

▼ Klimakrise und Google Rechenzentrum in Oberösterreich

Hitze, Trockenheit, Wassermangel – diese Themen beschäftigen (nicht nur) Österreich in Zeiten des Klimawandels. Denn: Unsere Ressourcen sind begrenzt und diese Ressourcen werden durch die Klimakrise immer knapper. Wir sollten also mit Wasser und Energie haushalten. Gleichzeitig wollen internationale Tech-Konzerne immer mehr KI-Rechenzentren, die riesige Mengen an Wasser und Strom fressen, bauen. So beginnt eine Nachricht von Global 2000. Hier wurde kürzlich dafür plädiert, die KI solange auszusetzen, bis wir weltweit keinen Strom mehr aus fossilen Quellen erzeugen müssen. Jetzt kommt auch bei uns Wasser noch als begrenzte Ressource dazu.

Einige Meldungen zur Trockenheit:

Trockenheit setzt Wäldern massiv zu

Trockenheit auf Alpen „fast katastrophal“

Appell zu bewusstem Umgang mit Wasser

Historische Trockenheit in Teilen Österreichs

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Bild: Grundwasserspiegel im Juli 2026

PS: In Ludesch werden täglich bis zu 9 Millionen Red-Bull Dosen mit Zuckerwasser befüllt. Schon 2013 hat man den Wasserverbrauch auf täglich 2,5 - 3,5 Millionen Liter geschätzt. Der tägliche Wasserverbrauch in österreichs Haushalten ist 130 Liter pro Person. 3 Millionen Liter sind der Wasserverbrauch von 23.000 Einwohnern.

Elektrische Energie

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energy-charts.info

Strommix der erzeugten 2.460 TWh EU 2025: Erneuerbar 45%, Kernenergie 25%, Fossil 30%

Google Rechenzentrum in Oberösterreich

Das Rechenzentrum ist in der Bauphase, Google soll bereits um eine Erweiterung angesucht haben. Dafür gewidmete Fläche: 50 ha. Laut Google ist die Anschlußleistung in der derzeitigen Ausbaustufe bei bis zu 150 MW, bei einem möglichen späteren Vollausbau des Standorts wären es 500 MW. Das ergibt hochgerechnet einen jährlichen Stromverbrauch von 1,3 TWh bzw. 4,4 TWh. Nach einer Einschätzung der Austrian Power Grid liegt der Stromverbrauch noch höher, bei dem von 900.000 Haushalten. Das Rechenzentrum würde täglich bis zu 5,8 Millionen Liter erwärmtes Kühlwasser in die Enns pumpen.

ORF Science

FALTER

Das Projekt nutzt auch eine rechtliche Lücke in der Prüfung der Umweltverträglichkeit, denn Rechenzentren benötigen derzeit kein UVP Verfahren.

DerStandard - Widerstand wird größer!

Und hier geht es direkt zur Petition: Petition

Das ist der Preis dafür, alles so exzessiv und bei genauerem hinsehen meist unnötig zu nutzen, Suchanfragen, Milliarden von Fotos und Videos in den Clouds und jetzt auch noch die KI. Warum nutzen wir von all den Technologien nicht nur das, was tatsächlich Sinn macht? Warum sind es offensichtlich so viele, die ihr Privatleben in Bildern, Filmen, Dokumenten und Nachrichten auf einem Server speichern, dessen Standort wir gar nucht kennen? Warum nutzen wir Dienste aus Amerika, um einfachste Nachrichten auszutauschen, sie mit Bildern und Videos aufzublasen und unterzeichnen dann aber Petitionen um das zugehörige Rechenzentrum, falls es doch sichtbar vor der Haustüre entsteht, zu bekämpfen?

► Hitzewelle

► Energie und THG Monitorbericht Vorarlberg

► Neue VMOBIL Tarife II (Beitrag von K. Zeiner)

► Die RCP Szenarien

Im Mai 2026 ist die Meldung durch die Medien gegangen, das schlimmste Szenario des Klimawandels sei verworfen worden. Manche haben das als "Klimakatastrophe abgesagt" interpretiert. Was steckt dahinter?

Ein Szenario beschreibt, abhängig von verschiedenen Parametern, wie sich etwas in der Zukunft entwickelt. Für die Klimaerwärmung sind die THG Konzentration und die Temperatur die entscheidenen Größen. Die Erde erwärmt sich weil die Energiebilanz, d.h. der Strahlungshaushalt nicht mehr im Gleichgewicht ist. Es gelangt durch die Sonnenstrahlung mehr Energie auf die Erde, als sie auch wieder abstrahlt, man spricht von Strahlungsantrieb. Ein wesentlicher Grund dafür ist die steigende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Gemessen wird der Strahlungsantrieb in W/m². Ist er Null, so bleibt die Temperatur auf der Erde konstant. Im Jahre 2015 hat man mit dem 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates den Begriff des repräsentativen Konzentrationspfades (RCP) eingeführt.

Man hat also Szenarien für unterschiedliche Bemühungen um eine Reduktion der THG betrachtet und bis zum Jahre 2100 extrapoliert. Der erwartete Strahlungsantriebes im Jahre 2100 ist die Nummer des Szenarios. Die Szenarien sind:

  • RCP 2.6 - Ambitionierter Klimaschutz, THG Konzentration steigt bis ca. 450 ppm im Jahre 2050 und sinkt dann
  • RCP 4.5 - Stabilisierung der THG KOnzentration im Jahre 2100 bei mehr als 500 ppm
  • RCP 6.0 - Emissionen steigen weiter und erhöhen die THG Konzentration auf ca. 700 ppm im Jahre 2100
  • RCP 8.5 - weiter wie bisher (besser weiter wie früher), dann würden mehr als 1000 ppm im Jahre 2100 erreicht

Bild:

Bild: Wikipedia: Szenarien atmosphärischer CO2-Äquivalent­konzentra­tionen aller Treibhausgase gemäß den vier RCPs laut Fünftem IPCC-Sachstandsbericht

Zwischen 2021 und 2023 wurde der 6. Sachstandsbericht zum Klima veröffentlicht. In dem Zusammenhang wurde ein neuer Satz Klimaszenarien entwickelt, die SSP-Szenarien (Shared Socioeconomic Pathways, dt.: gemeinsame sozioökonomische Entwicklungspfade), welche gegenüber den bisher verwendeten RCP-Szenarien in vielerlei Hinsicht verbessert wurden. Mehr dazu zum Beispiel auf der Webseite des Deutschen Klimarechenzentrums.

Babette Hebenstreit (sie ist Physikerin, unterrichtet an der FH Vorarlberg zum Thema nachhaltige Energie und ist die neue Obfrau des Vereins KlimaVOR) schreibt dazu an die Mitwirkenden der KLIMAKAMPAGNE VORARLBERG unter dem Titel Weltklimarat streicht Szenario aber nicht Physik

Der Weltklimarat bildet mit Szenarien ab, mit welchen Auswirkungen wir bei welchen Emissionen zu rechnen haben. Das „schlimmste“ Szenario (RCP 8.5) geht davon aus, dass fossile Energien massiv ausgebaut werden. Das ist aufgrund der weltweiten Klimaschutz-Anstrengungen und der fallenden Preise für Wind und PV weniger plausibel geworden. Können wir uns also zurücklehnen und hoffen, das Problem löst sich bald von selbst? Auf keinen Fall. Solange wir Treibhausgase ausstoßen, steigt die Konzentration in der Atmosphäre weiter und die Erde erwärmt sich. Derzeit bewegen wir uns in Richtung einer Stabilisierung der weltweiten jährlichen Emissionen. Statt exponentiell wächst dann der CO2-Gehalt der Atmosphäre nur mehr linear. Die in RCP8.5 prognostizierten 4-5°C Erwärmung bleiben möglich - nur später. Vom Ziel Null- bzw. Negativemissionen sind wir noch sehr weit entfernt, das Erreichen des 1,5°C-Ziels ist extrem schwierig geworden. Die weltweiten (und Vorarlberger) Anstrengungen müssen vervielfacht werden, damit wir unter 2°C bleiben. Daher ist das Fallenlassen des Szenarios ein Hoffnungsschimmer, aber kein Grund zum Feiern.

Die Klimaleugner und Rechtspopulisten basteln daraus Fakenews der Sonderklasse. Es gibt dazu einige Klarstellungen, eine davon ist die von Prof. Dr. Volker Quaschning auf Youtube

Auch die Scientists for Future sind dabei, in einem Papier die Dinge klar zu stellen.

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