Aktuell

▼ Zum 100. Geburtstag von Ivan Illich

Am 4. September 2026 jährt sich der 100. Geburtstag von Ivan Illich. Geboren ist er in Wien und war dann ein wichtiger Kulturkritiker, Philosoph und Theologe. Und er war sehr skeptisch und kritisch gegenüber den Anwendungen des technologischem Fortschritts und dem zerstörerischen Konsum in unserer Gesellschaft. Auf Ö1 sind ihm die Gedanken zum Tag in der Woche des 4. Sept. gewidmet. Und dort widmet sich Petra Nagenkögel in Anlehung an Texte aus der Studie "Energie und Gerechtigkeit" von Ivan Illich dem Thema Automobilität. Illich hat das 1978 geschrieben, als Kapitel im Buch "Fortschrittsmythen". Eine Internet-Recherche liefert auch das Dokument dazu. Es beginnt mit dem Satz: "In jüngster Zeit scheint es unvermeidlich, die drohende Energiekrise zu beschwören." Mahnende Worte hat es also immer schon genug gegeben. Weil der Text dieser "Gedanken zum Tag" auf der Webseite des ORF dort auch wieder verschwinden wird, kann man ihn als Zital hier lesen:

"Das Auto hat den öffentlichen Raum kolonisiert". Das schreibt Ivan Illich in seiner Studie "Energie und Gerechtigkeit" im Jahr 1978.
Weltweit, so lese ich, sind derzeit 1,7 Milliarden Autos zugelassen. Ihr Gesamtgewicht übersteigt das Gewicht aller an Land lebenden Wildtiere um das Hundertfache. Die 1,7 Milliarden Autos haben 31,7 Millionen an Straßenkilometern zur Verfügung, die für Parkraum benötigte Fläche nicht eingerechnet. Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Tiere wird allein für Europa auf 29 Millionen Säugetiere und 124 Millionen Vögel geschätzt.
Hinter kaum fassbaren Zahlen steht ein industrielles System. Zu dessen Logik gehört es, im Namen des Wachstums Bedürfnisse und damit Abhängigkeiten zu generieren. Erdölindustrie, Autokonzerne und Transportlobbys hätten ein, wie Ivan Illich es nennt, "radikales Monopol" geschaffen und den Menschen zum Faktor in einem System werden lassen, das er selbst nicht kontrollieren kann.
Wohl kein anderes Industrieprodukt hat Lebensweisen und Wohlstandsmodelle, aber auch unsere Vorstellungen von Freiheit, Geschwindigkeit und Zeit so nachhaltig verändert und standardisiert wie das Auto, kaum ein anderes Produkt hat eine so tiefgreifende Umformung des Raums mit sich gebracht. Städte wurden (und werden) autogerecht umgebaut, Landschaften wurden (und werden) zerschnitten, Ökosysteme zerstört, Autobahnen als exklusive Orte gebaut, die nur, wer motorisiert ist, nutzen kann. "Der Mensch", so Ivan Illich pointiert, "wurde aus seiner eigenen Umwelt vertrieben."
Dabei sei die Automobilität eine "Pseudomobilität". Illich stellt luzide Berechnungen an, nach denen sich das Auto als höchst ineffizientes Mittel der Fortbewegung erweist. Er plädiert dafür, Transport und Mobilität neu zu denken, energiearm, gemeinschaftsfördernd, sozial- und lebensgerecht. Eine Forderung, die aktueller nicht sein könnte.

Es lohnt sich trotzdem, die Sendung nachzuhören, ohne Zeitlimit in der Podcast-Reihe Gedanken zum Tag. Die Musik, die im Podcast leider fehlt, spielt Keith Jarret und Jan Garbarek.

▼ Vorarlberger Naturschutzgesetz

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Während der heurige Hitze- und Trockenheit-Rekordsommer die Fehler der Vergangenheit gnadenlos aufdeckt, bastelt unsere Landesregierung an einer Novelle des Naturschutzgesetzes. Und zwar mit dem Ziel, es leichter zu machen, Natur zu stören, zu zerstören. Verkauft wird es unter Entbürokratisierung und Verwaltungsvereinfachung. Es soll leichter werden, Güterwege und Parkplätze zu bauen, der Uferschutzbereich soll kleiner werden usw.

Beispiel Straßen- und Wege:

Was ist geplant?
Straßen im Freiland sollen erst ab 400 Meter bewilligungspflichtig sein. Zusätzlich sollen alle Straßen bis 4 Meter Breite bewilligungsfrei werden.

Wie wars bisher?
Straßen ab einer Breite von 2,4 Meter brauchen ab einer Länge von 200 Meter eine Bewilligung.

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Mit welcher Brutalität man schon heute überdimensionierte Forststraßen baut, zeigt dieses Bild der Baustelle einer Straße in Tschagguns.

Die landwirtschaftlich genutzten Flächen werden weniger, die Geräte und Traktoren werden laufend größer und Land, Bund und EU fördern die passenden Straßen dazu. Aufgabe der Politik wäre, hier korrigierend für ein verträgliches Maß zu sorgen. Der Verfasser dieser Zeilen ist seit dem Bau im Vorstand einer Güterweggenossenschaft. Und er ist überzeugt: Das bisherige Verfahren ist ein wichtiger Beitrag zu behutsamerer Bauweise und verträglicheren Resultaten.

Mehr zum Vorhaben kann man auf der Webseite https://www.v-natur.at nachlesen. Und es ist kein Zufall, die Endphase des Vorhabens inkl. der Begutachtungsfrist wird in die Sommerferien verlegt. Die Klimaerwärmung werden wir allein nicht stoppen, da können wir nur Vorbild und Teil der Lösung sein. Aber die Versiegelung, das Trockenlegen von Wiesen, das begradigen und einsperren der Flüsse in der Vergangenheit und die Renaturierung in der Zukunft lag und liegt in unserer Hand. Und da wissen wir spätestens jetzt, damit kann man die Folgen mindern. Ist das nach diesem Sommer der Beitrag von Schwarz/Blau zur Klimawandelanpassung?

Am 26. August wurde der Begutachtungsentwurf veröffentlicht. Sie nennen das Gesetz jetzt „Naturschutz-Deregulierungsgesetz“ !!! Die Begutachtungsfrist dauert noch bis zum 25. September 2026. Auch Gemeinden, d.h. Gemeindevertretungen könnten Stellungsnahmen abgeben oder in einem Tagesordungspunkt über solche Gesetzesvorhaben diskutieren. Mit der Veröffentlichhung am 26. August und der Begutachtungsphase bis 25. September bremst man auch diese Form von Mitdenken und Mitwirken aus. Betroffen sind, wie immer, am Ende die Gemeinden.

Am 26. August war Rainer Siegele, Obmann des Naturschutzbund und Landesrat Christian Gantner in der Sendung "Neues bei Neustaetter". Die Sendung kann man als Podcast nachhören: Podcast Sorge um das Naturschutzgesetz

► Das Bildungshaus Arbogast will mehr Parkplätze: So gelingt die Mobilitätswende nicht!

► 12. August - Strommix in Österreich

► 30. Juli - Welterschöpfungstag

► Klimakrise und Google Rechenzentrum in Oberösterreich

► Hitzewelle

► Energie und THG Monitorbericht Vorarlberg

► Neue VMOBIL Tarife II (Beitrag von K. Zeiner)

► Die RCP Szenarien

► Spritpreise