Aktuell
▼ Update: Das Bildungshaus Arbogast will mehr Parkplätze: So gelingt die Mobilitätswende nicht!
Update
Ein Leser des letzten Newletters schreibt mir mit dem abschliessenden Satz:
Sehr geschätzter Herr Zeiner, vielleicht sprechen Sie selber einmal mit Herrn Mutschlechner. Es würde mich freuen, wenn Sie dann zu einer differenzierteren, sachgerechten und objektiven Einschätzung des Projektes und seiner komplexen Anforderungen kommen.
Ein solches Gespräch wird demnächst auch tatsächlich stattfinden. Und das Schreiben ist schon ein Hinweis darauf, wie wichtig ein gegenseitiges Zuhören und Bemühen um Verständis der oft widersprüchlichen Anliegen wäre. Das aber in beide Richtungen. Den Klimaaktivisten hat die Politik nie wirklich zugehört.
Würde die Gemeinde Götzis, das Vorhaben etwas transparenter kommunizieren, könnte man auch differnzierter berichten. So sind wir auf das angewiesen, was öffentlich ist. Und das war zunächst nur die Publikation der "Grünen Liste Götzis". Eine Anfrage bei der Gemeinde Götzis wurde beantwortet, hat aber keine neuen Informationen geliefert. Um auch die Sicht des Geschäftsführers hier einfliessen zu lassen, auf der Webseite des Bildunsghauses findet man diese Argumentation zu dem Vorhaben: Parken und Ökologie
Bisheriger Beitrag, ergänzt um einen Auszug aus dem regREK für die Region amKumma
Das Jugend- und Bildungshaus Arbogast der Katholischen Kirche Vorarlberg ist laut Webseite „... ein Ort der Begegnung, Bildung und Lebenskultur in der Rheintalgemeinde Götzis. Geleitet von einem christlichen Menschen und Weltbild, engagieren wir uns für Themen, die unsere Welt besser machen." Arbogast war viele Jahre Austragungsort der Tage der Utopie und ist ein Ort, an dem sich gerne Menschen einfinden, für die tatsächlich gilt, dass sie die Welt besser machen wollen.
Würde Arbogast dieses Leitmotiv ernst nehmen, dann müsste man mit den schon vorhandenen ca. 60 PKW Stellplätzen auskommen. Im Gegenteil, man würde sie bewirtschaften, man würde die Zeiten für den Beginn von Veranstaltungen dem Busfahrplan anpassen und diese Form der Anreise noch nachdrücklicher bewerben und empfehlen.
Mittlerweile gibt es mehr Details zu dem Vorhaben. Die Grüne Liste Götzis informiert auf ihrer Webseite und in ihrem aktuellen Mitteilungsblatt Brennessel über das Projekt. Man will die Stellplätze auf ca. 120 fast verdoppeln. Durch mehr Stellplätze entlang der Zufahrtsstraße und durch einen neuen Parkplatz hinter der Haltestelle in Richtung Klaus. Der alternative Vorschlag ist, beim Salzsilo mehr Stellplätze einzurichten. Die Betreiber meinen, diese Lösung sei den Besuchern nicht zumutbar, zu weit entfernt (plus 220 m) und der Weg zu gefährlich (man müsste zwei Mal die Landesstraße queren). Da rächt sich auch, das es zwar einen Gehweg, aber noch immer keinen durchgehenden Fahradweg von Arbogast nach Götzis gibt.
In unmittelbarer Nähe gibt es die Haltestelle Arbogast, die während der Hauptverkehrszeiten auch in Zukunft im Halbstundentakt bedient wird. Ab 20:35 gibt es laut aktuellem Fahrplan zum Bahnhof Götzis und zum Bahnhof Rankweil einen Stundentakt bis 23:35.
Die Gemeinde Götzis fördert mit den Zuschüssen von Bund und Land den Busverkehr laut Rechnungsabschluss 2025 mit 2,48 Millionen Euro. Damit finanziert man ein wirklich gutes Angebot, das deutlich mehr Fahrgäste transportieren könnte. Ein nachhaltiges Mobilitätsverhalten erreicht man aber nur mit dem richtigen Mix von Push- und Pull-Maßnahmen. Nur viel Geld in den ÖPNV zu investieren ist zu wenig und dann auch zu teuer. Das Resultat sind Busse, die außerhalb der Hauptverkehrszeiten mit wenigen Fahrgästen durch die Gegend fahren statt für Ziele wie Arbogast genützt zu werden. Die fehlenden Push-Maßnahmen sind der schwerwiegende Fehler in der Mobilitätspolitik des Landes und vieler Gemeinden. So erreichen wir die in vielen Papieren formulierten und beschlossenen Ziele der Verkehrspolitik, der Raumplanung und des Klimaschutzes nicht.

Bild: Aus dem regREK für die Region amKumma, regREK amKumma 2020 (PDF), Seite 118
Das ist autozentrierte Politik von Vorgestern! Es muss Schluss sein mit dem ständigen immer noch mehr Parkraum und damit induzierten Verkehr.
Jetzt gibt es dazu auch eine Petition, die man unterzeichnen kann: Petition auf openpetition
▼ 12. August - Strommix in Österreich
Diagramm zum Strommix in den letzten Monaten. Es zeigt deutlich den durch die Trockenheit bedingten Rückgang der Stromproduktion aus Wasserkraft.

Die CO2-Intensität der Stromproduktion (mit Berücksichtigung von Import, inländischer Erzeugung und Export) lag zuletzt bei ca. 150 g/kWh
▼ 30. Juli - Welterschöpfungstag
Diesmal hat der VCÖ mich darauf aufmerksam gemacht. Das ist der Tag, an dem die weltweiten Ressourcen aufgebraucht sind, die die Erde für das ganze Jahr bereitstellen kann. Der VCÖ schreibt: In Österreich trägt der Verkehr massiv dazu bei: Er ist einer der größten Verursacher von klimaschädlichen Treibhausgasen – und verbraucht riesige Mengen an Ressourcen. Für Österreich war dieser Tag heuer schon am 2. April.
Versteht noch jemand, was da gerade abgeht?
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Wir erleben gerade die 3. (4. ?) Hitzewelle in diesem Jahr. Das Rheintal hatte heuer schon mehr als 30 Hitzetage
Originalbild: DerStandard, Quellen: Geosphäre Austria, Statistik Austria
Das sind Szenarien, die 2015 für Vorarlberg so ab den Jahren 2070 prognostiziert wurden. Und trotzdem ist das heurige Jahr keine Überraschung, das wird der Normalfall.
- In Südeuropa wüten Waldbrände, die Zahlen dazu sind ein Horror: Hunderttausende Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen, mehr als 100.000 ha () Wald und Land sind verwüstet.
- Ein Bauer erzählt von bevorstehenden Schlachtungen, weil das Futter ausgeht.
- Eine Kollegin erzählt, sie ist aus ihrer Dachgeschosswohnung als Klimaflüchtling zu einer Freundin übersiedelt.
- Klimaforscher warnen einmal mehr vor dem Kippen des Systems.
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Und was tun wir gerade?
- Wir (d.h. zu viele) holen noch immer mit dem Auto das Brot aus der nahen Bäckerei und den Tabak aus der Trafik, fahren während der Schulzeit die Kinder in die Schule und den Kindergarten (oft weil der Weg zu gefährlich sei).
- Wir nutzen völlig gedankenlos KI aus Bequemlichkeit und mangelder Kreativität. Dabei ist die KI die neue Schwerindustrie, siehe dazu den folgenden Artikel.
- Österreich hat noch immer kein Klimagesetz. Will den Lobautunnel und die S18 bauen.
- Vorarlberg baut die Tunnelspinne und freut sich auf die S18. Hat einen Entwurf für ein geändertes Naturschutzgesetz vorbereitet, das die Zerstörung der Natur einfacher (unbürokratischer) macht. Da gäbe es anderes Potential für Verwaltungsvereinfachungen und Sparmöglichkeiten.
- Der Landeshauptmann redet nur noch vom Wirtschaftsraum, richtig wäre Lebensraum. Sogar bei der Diskussion über eine Verschiebung der Sommerferien hört er die Stimmen aus der Wirtschaft (deshalb ist er dagegen). Ist das Wirtschaftswachtum < 3%, schrillen die Alarmglocken. Wer denkt daran, dass ein jährliches Wachstum von 3% eine Verdoppelung in 23,5 Jahren bedeutet. Wie soll sich das ausgehen? Dann haben wir unseren Erschöpfungstag schon Ende Februar.
- Der landeseigene Energieversorger baut nur Windräder, wenn es sich rechnet/rentiert (Zitat: Wallner). Für die rund 20.000 PV Anlagen in Vorarlberg muss es sich nicht rechnen. Deren Eigentümer/Investoren sponsern die Energiewende.
- Die Katholische Kirche bekommt auch nicht genug. Sie will aus Arbogast einen florierenden Betrieb mit mehr Besuchern machen. Dafür wollen sie mehr Parkplätze. Die ÖVP Mehrheit in Götzis findet das gut, hat keine Einwände. Wir sind kein ländlicher Raum mehr. Wir sind ein urbaner Raum mit gutem öffentlichem Verkehr. Österreich hat mehr Parkplätze als Einwohner!
- Was wütend macht: Viele glauben noch immer, wir könnten uns anpassen, wir müssten nur besser vorbereitet sein, dann geht es halt ein wenig anders weiter. Ja, wir könnten besser vorbereitet sein, aber der "Alles ist machbar" - Glaube ist Unsinn.
▼ Klimakrise und Google Rechenzentrum in Oberösterreich
Hitze, Trockenheit, Wassermangel – diese Themen beschäftigen (nicht nur) Österreich in Zeiten des Klimawandels. Denn: Unsere Ressourcen sind begrenzt und diese Ressourcen werden durch die Klimakrise immer knapper. Wir sollten also mit Wasser und Energie haushalten. Gleichzeitig wollen internationale Tech-Konzerne immer mehr KI-Rechenzentren, die riesige Mengen an Wasser und Strom fressen, bauen. So beginnt eine Nachricht von Global 2000. Hier wurde kürzlich dafür plädiert, die KI solange auszusetzen, bis wir weltweit keinen Strom mehr aus fossilen Quellen erzeugen müssen. Jetzt kommt auch bei uns Wasser noch als begrenzte Ressource dazu.
Einige Meldungen zur Trockenheit:
Trockenheit setzt Wäldern massiv zu
Trockenheit auf Alpen „fast katastrophal“
Appell zu bewusstem Umgang mit Wasser
Historische Trockenheit in Teilen Österreichs

Bild: Grundwasserspiegel im Juli 2026
PS: In Ludesch werden täglich bis zu 9 Millionen Red-Bull Dosen mit Zuckerwasser befüllt. Schon 2013 hat man den Wasserverbrauch auf täglich 2,5 - 3,5 Millionen Liter geschätzt. Der tägliche Wasserverbrauch in österreichs Haushalten ist 130 Liter pro Person. 3 Millionen Liter sind der Wasserverbrauch von 23.000 Einwohnern.
Elektrische Energie

energy-charts.info
Strommix der erzeugten 2.460 TWh EU 2025: Erneuerbar 45%, Kernenergie 25%, Fossil 30%
Google Rechenzentrum in Oberösterreich
Das Rechenzentrum ist in der Bauphase, Google soll bereits um eine Erweiterung angesucht haben. Dafür gewidmete Fläche: 50 ha. Laut Google ist die Anschlußleistung in der derzeitigen Ausbaustufe bei bis zu 150 MW, bei einem möglichen späteren Vollausbau des Standorts wären es 500 MW. Das ergibt hochgerechnet einen jährlichen Stromverbrauch von 1,3 TWh bzw. 4,4 TWh. Nach einer Einschätzung der Austrian Power Grid liegt der Stromverbrauch noch höher, bei dem von 900.000 Haushalten. Das Rechenzentrum würde täglich bis zu 5,8 Millionen Liter erwärmtes Kühlwasser in die Enns pumpen.
ORF Science
FALTER
Das Projekt nutzt auch eine rechtliche Lücke in der Prüfung der Umweltverträglichkeit, denn Rechenzentren benötigen derzeit kein UVP Verfahren.
DerStandard - Widerstand wird größer!
Und hier geht es direkt zur Petition: Petition
Das ist der Preis dafür, alles so exzessiv und bei genauerem hinsehen meist unnötig zu nutzen, Suchanfragen, Milliarden von Fotos und Videos in den Clouds und jetzt auch noch die KI. Warum nutzen wir von all den Technologien nicht nur das, was tatsächlich Sinn macht? Warum sind es offensichtlich so viele, die ihr Privatleben in Bildern, Filmen, Dokumenten und Nachrichten auf einem Server speichern, dessen Standort wir gar nucht kennen? Warum nutzen wir Dienste aus Amerika, um einfachste Nachrichten auszutauschen, sie mit Bildern und Videos aufzublasen und unterzeichnen dann aber Petitionen um das zugehörige Rechenzentrum, falls es doch sichtbar vor der Haustüre entsteht, zu bekämpfen?
► Hitzewelle
Vielleicht begreift langsam auch eine Mehrheit, auf was wir zusteuern. Unsere Bemühungen haben die Emissionen reduziert, aber es braucht mehr. Die THG Emissionen des Verkehrs liegen bei uns noch immer bei einem Anteil von 43%. Und ja, Vorarlberg allein wird diese Entwicklung nicht stoppen, aber genau das darf keine Region denken, dann bleibt eine Chance, die Erwärmung in 20 bis 30 Jahren wieder einzufangen.

Wir hatten 10.000 Jahre lang ein optimales Klima auf unserer Erde, das Leben in fast allen Regionen ermöglich hat. Und wir haben es in zwei bis drei Generationen versemmelt. Seit Jahren stehen wir leicht auf der Bremse, aber eine Notbremsung wäre erforderlich. Wer ist wir? Die Bewohner der industrialisierten Welt, die Gier jener Männer, die die Welt verbrennen und mit der fossilen Energie unglaubliche Gewinne und Managerboni verdienen und noch immer erfolgreich in den USA den Wahlkampf finanzieren und in Brüssel lobbyieren. Aber es sind auch all die Dinge, die wir zu einem guten Leben (für alle) eigentlich nicht brauchen, also der Luxus an Gütern und Reisen, die uns das beschert haben. Und bei genauerem Hinschauen wird auch klar, wie sehr der Klimawandel eine Frage der Gerechtigkeit zwischen armen und reichen Menschen ist. Statt uns mit aller Kraft der Energiewende zu widmen setzen wir auf die KI, die nächste Technolgie mit gigantischem Verbrauch an Energie und Kühlwasser. Wir sollten sie aussetzen, bis der Energiebedarf der Welt zu 100% mit erneuerbarer Energie versorgt werden kann.
Statt den Fakten und der Zukunft ins Auge zu sehen, redet man jetzt wieder vermehrt über Hitzeschutz und Klimawandelanpassung. Ja, das ist wichtig, wir brauchen Bäume, Bäume, Bäume, Sitzbänke, Trinkbrunnen und "coole" Plätze, an denen es dann statt 40° nur 36° hat. Während früher in unserer Region gegen Kälte geplant wurde, müssen wir Häuser und Städte gegen Hitze planen. Da werden aber auch Hoffnungen gemacht, die man nicht erfüllen kann. Ein Ablenkungsmanöver. Ich (K. Zeiner) kann mich gut erinnern, wie ich vor Jahren das erste Mal das Wort "Klimawandelanpassung" gehört habe. Mein spontaner Gedanke war, haben wir es jetzt mit dem Klimaschutz aufgegeben? Haben wir resigniert? Ich merke nur, dass ich derzeit viel von dem nicht tun kann, was früher normal war: Tagsüber im Freien arbeiten (ich sehe die Zumutung für die Arbeiter am Bau), Wanderungen, Fahrradtouren. Das mag für mich auch am Alter liegen, aber vor allem hindert mich die Hitze. Ist das die Anpassung, von der wir reden? Ist der Urlaub am Mittelmeer dann noch eine Abwechslung oder nur noch etwas für ein paar Verrückte, denen es bei uns noch immer zu kalt ist? Auf den Punkt bringt es auch ein Interview mit dem Stadtklimatologe Matthias Ratheiser im Standard: "Sommer wie dieser werden für unsere Kinder zur neuen Normalität, früher waren sie die Ausnahme."
Ein Kommentar in der Zeit ist getitelt mit "Alle reden über Hitze, sollten wir nicht mal übers Klima sprechen? Hört auf, über Höchstwerte zu staunen! Und sprecht nicht über die Hitze, ohne auch Klimakrise zu sagen.
Noch besser: Alle reden über Hitze, sollten wir nicht mal über Verzicht sprechen? Über den Verzicht auf Reisen, auf tägliche Autofahrten, über den Verzicht auf den Stadttunnel (oder zumindest eine reduzierte Lösung), über den Verzicht auf den Lobautunnel und die S18. Im Grunde ist es eine nüchterne Abwägung und die aktuelle Hitzewelle gibt uns die Antwort: Der Preis ist zu hoch!
► Energie und THG Monitorbericht Vorarlberg
Am 18. Juni wurde bei einer Veranstaltung im Landhaus der aktuelle Monitorbericht vorgestellt. Die PDF-Version gibt es auf der Webseite des Landes zum
Download. Die Daten des Berichts sind die Daten des Jahres 2024.
Zum Ziel: 50 % Reduktion der Treibhausgase zum Vergleichsjahr 2005
Im aktuellen Bilanzjahr wurden in Vorarlberg (inkl. Kraftstoffexport) Treibhausgase (THG) im Ausmaß von 1,79 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent (MtCO2e) ausgestoßen. Damit lagen die Treibhausgas-Emissionen um 25 % unter dem Wert von 2005. Von 2023 auf 2024 sanken die Emissionen um 2,4 %, hauptverantwortlich hierfür waren die Emissionsrückgänge im Gebäudesektor und beim Verkehr. Am meisten Treibhausgase verursachte der Verkehr (43 %). Die Höchstmenge für 2024 laut Zielpfad wurde um 8,7 % überschritten. Die Emissionen 2024 liegen mit 1.790.000 MtCO2e um 608.000 tCO2e höher als der Zielwert für das Jahr 2030. Das sind 51 %.
Sobald auch die Excel-Version (d.h. die ganzen Daten zum Bericht) zur Verfügung stehen folgt hier eine Analyse dazu.

Bild: Energiebericht des Landes, tats. Werte, Trend (blau) und Zielpfad (rot).
► Neue VMOBIL Tarife II (Beitrag von K. Zeiner)
Über die neuen VMOBIL Tarife ab dem 1. Juni wurde hier schon berichtet. Bei einem ersten Querlesen hatte ich einen positiven Eindruck. Vermutlich ist auch mein Klimaticket Österreich ein Grund, sich mit den Details nicht beschäftigt zu haben. Jetzt höre ich vermehrt von der Kritik an dem neuen System. Und die ist nachvollziehbar. Es gibt Distanzen, für die sich der Preis auf Einzel- oder Tageskarten mehr als verdoppelt. Ein Beispiel, auf das mich ein Buslenker aufmerksam gemacht hat: Klaus - Hohenems, bisher 3 Dominos, Einzelfart € 4,- und Tageskarte € 7,-. Neu laut Fahrplanabfrage: Einzelfahrt €9,60 - Tageskarte 18,40. Die groben Fehler: Der Unterschied im Geltungsbereich der Lokal- und Regiozone ist zu klein, der Unterschied zwischen der Regio- und Landeszone ist zu groß. Es gibt keine vernünftige Staffelung von Zonen. Was denn die Lokalzone zu einem Ort ist, ist zunächst völlig intransparent. Das klärt sich erst mit einer Abfrage auf der Webseite von VMOBIL. Mit dieser Vorbereitung steigen wohl nicht viele in den Bus.
Ich frage mich:
- Hat man da eine repräsentative Auswahl von Verbindungen auf die Preisänderungen überprüft? Eher nicht, sonst hätte man die Fehler im Konzept entdeckt.
- Es gibt in den Verkehrsverbünden des Landes an die 100 Delegierte der Gemeinden. Sie sind verantwortlich für die Zustimmung der Gemeinden zu den beträchtlichen Kosten des Systems. Und manche von Ihnen sehen sich auch als Fahrgastvertreter. Auch diese Delegierten hat man mit der Tarifreform völlig überrascht. Man hätte sie ja auch als Testpersonen für ein Feedback verwenden können. Warum denkt man bei VMOBIL nicht daran?
- Hat man gedacht, wenn jemand aus Klaus am Vormittag einen Termin in der Ambulanz im KH Hohenems hat, macht er dann mit seinem MAXIMO Tagesticket am Nachmittag noch einen Ausflug ins Montafon?
- Was war das Ziel der Reform? Will man die Fahrgäste zum Kauf des MAXIMO drängen? Oder wollte man, was ja wichtig wäre, neue Fahrgäste gewinnen? Das ist wohl nicht gelungen.
- Einfacher als Eis essen? Sicher nicht! Ein wichtiger Unterschied: Beim Eis kann man 1,2,3,...n Kugeln kaufen, bei VMOBIL nur eine kleine, eine große Kugel oder die Großpackung mit 9 Kugeln.
- Hat man sich überlegt, dass man das Öffi-Ticket für Fahrraddistanzen attraktiver gemacht hat, für die mittlere Autodistanz aber genau nicht? Welchen Mobilitätstyp wollte man zum Umsteigen motivieren?
- Eine Erfahrung, die ich bei meiner Erkundung von Österreich als Fußgänger genacht habe: Die Qualität eines ÖPNV Angebotes erkennt man außerhalb der Heimat. Ist es tauglich für Gelegenheitsfahrer:innen und Gäste? Hat man daran auch gedacht?
Die neue Tarifwelt
Nach einem Monat Erfahrung mit dem neuen System war am 4. Juli noch einmal ein Beitrag im ORF2 (Vorarlberg). Die Veranstwortlichen wollen an dem System festhalten. Sie sehen nur kleinere Versäumnisse, an denen gearbeitet wird. Bemerkenswert die Aussage "Änderungen würden nicht von Beginn an überall positiv aufgenommen". Ja, Kunden kann man in drei Gruppen einteilen: Man verliert sie, sie ändern ihr Verhalten und steigen in dem Fall auf eine landesweite Netzkarte um. Die dritte Gruppe gewöhnt sich resignierend tatsächlich an jeden Unsinn.
► Die RCP Szenarien
Im Mai 2026 ist die Meldung durch die Medien gegangen, das schlimmste Szenario des Klimawandels sei verworfen worden. Manche haben das als "Klimakatastrophe abgesagt" interpretiert. Was steckt dahinter?
Ein Szenario beschreibt, abhängig von verschiedenen Parametern, wie sich etwas in der Zukunft entwickelt. Für die Klimaerwärmung sind die THG Konzentration und die Temperatur die entscheidenen Größen. Die Erde erwärmt sich weil die Energiebilanz, d.h. der Strahlungshaushalt nicht mehr im Gleichgewicht ist. Es gelangt durch die Sonnenstrahlung mehr Energie auf die Erde, als sie auch wieder abstrahlt, man spricht von Strahlungsantrieb. Ein wesentlicher Grund dafür ist die steigende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Gemessen wird der Strahlungsantrieb in W/m². Ist er Null, so bleibt die Temperatur auf der Erde konstant. Im Jahre 2015 hat man mit dem 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates den Begriff des repräsentativen Konzentrationspfades (RCP) eingeführt.
Man hat also Szenarien für unterschiedliche Bemühungen um eine Reduktion der THG betrachtet und bis zum Jahre 2100 extrapoliert. Der erwartete Strahlungsantriebes im Jahre 2100 ist die Nummer des Szenarios. Die Szenarien sind:
- RCP 2.6 - Ambitionierter Klimaschutz, THG Konzentration steigt bis ca. 450 ppm im Jahre 2050 und sinkt dann
- RCP 4.5 - Stabilisierung der THG KOnzentration im Jahre 2100 bei mehr als 500 ppm
- RCP 6.0 - Emissionen steigen weiter und erhöhen die THG Konzentration auf ca. 700 ppm im Jahre 2100
- RCP 8.5 - weiter wie bisher (besser weiter wie früher), dann würden mehr als 1000 ppm im Jahre 2100 erreicht

Bild: Wikipedia: Szenarien atmosphärischer CO2-Äquivalentkonzentrationen aller Treibhausgase gemäß den vier RCPs laut Fünftem IPCC-Sachstandsbericht
Zwischen 2021 und 2023 wurde der 6. Sachstandsbericht zum Klima veröffentlicht. In dem Zusammenhang wurde ein neuer Satz Klimaszenarien entwickelt, die SSP-Szenarien (Shared Socioeconomic Pathways, dt.: gemeinsame sozioökonomische Entwicklungspfade), welche gegenüber den bisher verwendeten RCP-Szenarien in vielerlei Hinsicht verbessert wurden. Mehr dazu zum Beispiel auf der Webseite des Deutschen Klimarechenzentrums.
Babette Hebenstreit (sie ist Physikerin, unterrichtet an der FH Vorarlberg zum Thema nachhaltige Energie und ist die neue Obfrau des Vereins KlimaVOR) schreibt dazu an die Mitwirkenden der KLIMAKAMPAGNE VORARLBERG unter dem Titel Weltklimarat streicht Szenario aber nicht Physik
Der Weltklimarat bildet mit Szenarien ab, mit welchen Auswirkungen wir bei welchen Emissionen zu rechnen haben. Das „schlimmste“ Szenario (RCP 8.5) geht davon aus, dass fossile Energien massiv ausgebaut werden. Das ist aufgrund der weltweiten Klimaschutz-Anstrengungen und der fallenden Preise für Wind und PV weniger plausibel geworden. Können wir uns also zurücklehnen und hoffen, das Problem löst sich bald von selbst? Auf keinen Fall. Solange wir Treibhausgase ausstoßen, steigt die Konzentration in der Atmosphäre weiter und die Erde erwärmt sich. Derzeit bewegen wir uns in Richtung einer Stabilisierung der weltweiten jährlichen Emissionen. Statt exponentiell wächst dann der CO2-Gehalt der Atmosphäre nur mehr linear. Die in RCP8.5 prognostizierten 4-5°C Erwärmung bleiben möglich - nur später. Vom Ziel Null- bzw. Negativemissionen sind wir noch sehr weit entfernt, das Erreichen des 1,5°C-Ziels ist extrem schwierig geworden. Die weltweiten (und Vorarlberger) Anstrengungen müssen vervielfacht werden, damit wir unter 2°C bleiben. Daher ist das Fallenlassen des Szenarios ein Hoffnungsschimmer, aber kein Grund zum Feiern.
Die Klimaleugner und Rechtspopulisten basteln daraus Fakenews der Sonderklasse. Es gibt dazu einige Klarstellungen, eine davon ist die von Prof. Dr. Volker Quaschning auf Youtube
Auch die Scientists for Future sind dabei, in einem Papier die Dinge klar zu stellen.
► Spritpreise
Die Abhängikeit von den fossilen Brennstoffen macht wieder einmal Probleme. Die Preise für Benzin und Diesel sind zu hoch. Die Regierung soll was tun! Was man erst jetzt hört (zuletzt vom ÖMV Chef): Man könnte auch weniger Auto fahren, man könnte langsamer (80 statt 100, 100 statt 130) fahren. Tempo 100 statt 130 spart 23% Treibstoff und CO2-Emissionen. Für ganz Österreich bedeutet das laut Umweltbundesamt 460.000 Tonnen CO2 oder 180 Millionen Liter Treibstoff. Siehe dazu: Einfluß der Geschwindigkeit auf die Emissionen oder den "Maßnahmenbericht für eine sozial- und klimaverträgliche Mobilitätswende" rep0928.pdf
Die älteren von uns können sich an die Energiekrise im Jahr 1973/1974 erinnern. Österreich hat vorübergehend einen autofreien Tag und eine Temporeduktion auf Autobahnen verordnet -> Haus der Geschichte. Im Filmarchiv findet man einen amüsanten, sehenswerten Film dazu: Austria Wochenschau 5/1974/. Im Februar wurden Energieferien (heute die Semesterferien) eingeführt, um an den Schulen Öl zu sparen. Der Auslöser war auch damals ein Krieg. Ägypten und Syrien greifen am 6. Oktober 1973 Israel an, um die seit 6 Jahren von Israel besetzten Gebiete nach dem 6-Tage Krieg zurück zu erobern.
1973 gab es in Österreich ca. 1,6 Millionen PKW's, 214 auf 1000 Einwohner. Heute sind es ca. 5,4 Millionen, 580 auf 1000 Einwohner. Haben wir was dazu gelernt?